Chiemgau King

Hinweis: Dieser Beitrag kann Werbung für Dinge enthalten, welche mir zur Verfügung gestellt wurden.

Teil I: Chiemgau King

In Zeiten wie diesen, wo keine Rennen stattfinden, muss man sich nach neuen Herausforderungen umschauen. Es gab viele Ideen was man machen könne. Nach langer Überlegung habe ich mich gemeinsam mit meinem Kumpel Chris Hipp dazu entschlossen, die neuen Abenteuer mit dem Chiemgau King und dem Stoneman Taurista zu starten.

„Auf Los geht’s los.“

Nachdem ich am Vortag meinen Koffer und das Mountainbike gepackt und im Auto verstaut hatte, machte ich mich am 22.08.2020 um sieben Uhr in der Früh, auf in Richtung Stuttgart, um dort  Kumpel Chris einzusammeln. Gemeinsam ging es weiter nach Ruhpolding, wo wir am nächsten Tag den Chiemgau King fahren wollten. Die Anreise selbst fand in strömendem Regen statt und wir hatten schon die schlimmsten Befürchtungen. In Ruhpolding angekommen, checkten wir im Hotel ein und studierten als Erstes den Wetterbericht des Folgetages. Puhh Glück gehabt, es scheint trocken zu bleiben und wir müssen nicht befürchten den ganzen Tag im Regen zu fahren.

„Euphorischer Huber und Platzprobleme.“

Noch schnell das Auto ausgeladen und die Räder verstaut, um im Anschluss die Startunterlagen abzuholen. Bei der Ausgabestelle angekommen, wurden wir sehr herzlich von Frau und Herr Huber Senior empfangen. Herr Huber erklärte uns die 168 Kilometer lange Strecke mit ihren 4629 Höhenmeter, den Wegen, Umleitungen durch Waldarbeiten, Gefahrenstellen und anderen wichtigen Dingen. Das ganze sprudelte mit einer Euphorie aus ihm heraus die seines gleichen sucht. So waren wir nun Theoretisch bestens vorbereitet auf die Strecke und machten uns auf den Weg etwas Essbares zu finden. Wir hatten nämlich den ganzen Tag nichts Richtiges gegessen. Die Suche nach einem Restaurant mit freien Plätzen war gar nicht mal so leicht wie wir schnell feststellen mussten. Samstags Abends, bei miesem Wetter und geschlossenen Biergärten, in Ruhpolding einen freien Tisch zu bekommen ist wahrlich eine Herausforderung. Am Ende hatten wir doch noch Glück und so gab es dann für uns beide Käsespätzle. Ich liebe dieses Gericht abgöttisch, muss ich an dieser Stelle sagen. Sehr einfach und super lecker mit dem richtigen Käse :-). Nach dem Essen fuhren wir zurück ins Hotel und fielen erschöpft ins Bett. Am nächsten Tag mussten wir ja schließlich fit sein.

„Start um 06:45 Uhr.“

Gut gelaunt, standen wir am nächsten Morgen sehr früh auf und bekamen netterweise vom Hotelpersonal, lange vor der eigentlichen Frühstückszeit, noch einen Kaffee und etwas zu essen. Nun war es aber an der Zeit aufzubrechen. Schuhe an, Helm an, Rucksack auf und um 06:45 Uhr ging es los. Oh ha, Scheiße war das kalt draußen. Die erste Hürde war es also die Kälte zu überwinden und irgendwie auf Temperatur zu kommen.
Den Einstieg in die Strecke hatten wir uns so gelegt, dass wir direkt am Anfang die größten Anstiege bewältigen mussten. Ebenso hieß diese Entscheidung, wir fahren erst die große Runde mit ca. 110 km vor der Kleinen mit ca. 58 km. Erster Checkpoint zum Stempeln der Karte, war die Bründling Alm auf 1138 m. Oben angekommen, ist uns dann auch endlich warm gewesen. Von der Alm aus führte uns die Route, über einen kleinen Trail, zurück auf den Forstweg, runter ins Tal, wo mit dem Torfbahnhof auf 525 m, auch schon Checkpoint 2 wartete. Hier konnten wir jetzt unsere Windwesten und Armlinge erstmals ausziehen. Es sollte nämlich der längste Anstieg des Tages folgen, die Steinling Alm auf 1454 m. Mit diesem Wissen des langen Anstiegs, stärkten wir uns vor der Weiterfahrt mit einem Riegel.

„Herrliche Aussicht und Arsch kalt.“

Die Auffahrt gestaltete sich erst relativ flach ansteigend und wurde zum Ende hin richtig steil. Am Vortag hatte uns Hr. Huber noch gesagt: „Manche Fahrer schieben den steilen Teil aus taktischen Gründen“. Für uns aber keine Option, da es der zweite Anstieg ist und die Beine noch frisch waren. Lediglich bei Chris gab es hier ein kleines Problem. Er hatte mit Rückenschmerzen zu kämpfen. An der Alm angekommen, waren die Schmerzen jedoch erst mal vergessen und es gab eine tolle Aussicht mit Blick auf die umliegenden Berge und den Chiemsee. Leider war es an diesem Tag auf jedem Gipfel Arsch Kalt. Somit machten wir nur kurz ein paar schnelle Bilder, stempelten die Karte ab, zogen uns Windweste und Regenjacke an und begaben uns umgehend wieder an die Abfahrt ins wärmere Tal.

„Falsch geschwitzt und luftige Pause.“

Die nächsten Checkpoints, Staffn Alm 1051 m, Jochberg Alm 1275 m und Winkelmoos Alm 1151 m, verliefen quer durch die schöne Landschaft des Chiemgau. Wir hatten mittlerweile eine Pause dringend nötig und stoppten auf der Jochberg Alm. Ungefähr die Hälfte, also gut 80 km, der Strecke sind hier absolviert. Jeder von uns gönnte sich zwei Stück Kuchen, einen Kaffee, sowie eine Cola. Da es leider keine Sitzmöglichkeiten innerhalb der Hütte gab, saßen wir verschwitzt draußen in der Kälte. Trotz Wechselwäsche, die wir mitgenommen hatten, war es unangenehm. Mit am Tisch saß ein älterer Herr, trank seine Halbe und erläuterte uns, dass wir uns falsch ernähren, wenn wir am Rücken schwitzen würden. Es wäre ja logisch, dass nur der Brustbereich schwitzen dürfe, denn dort wird schließlich Kühlung gebraucht. Wie viel Halbe der Kollege schon hatte und ob das ein oder andere Schnapserl bereits auch inhaliert wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. 🙂

„Sightseeing auf dem Weg zur Chiemgau Arena.“

Die Abfahrt nach der Pause war, wie alle Abfahrten an diesem Tag, bestialisch kalt und es dauerte ewig bis unsere ausgekühlten Körper sich erholten. Der Weg an sich Richtung Chiemgau Arena ist sehr toll zu fahren und beinhaltet als absolutes Highlight der Tour eine Tragepassage mit einem faszinierenden Wasserfall inklusive idyllischem Tal mit der Möglichkeit zum Canyoning. Allerdings muss man aufpassen, denn durch die extrem schmalen Wege direkt unter und neben dem Wasserfall wird das schieben oder tragen des Rades unheimlich anspruchsvoll. Für E-Biker ist dieser Teil der Strecke wirklich nicht geeignet. Nach dem Wasserfall gibt es, bevor es auf eine Forststraße geht, einen schönen Trail über Wurzeln und Steine. Der Weg vom Wasserfall führt einen direkt zur Chiemgau Arena und somit zum nächsten Checkpoint. Dieses bedeutete gleichzeitig, dass wir die große Schleife geschafft hatten und nur noch knapp 58 km zu fahren waren.

„Einbruch hoch nach Maria Eck.“

Von der Arena aus verläuft dir Route weiter durch Ruhpolding und beinhaltet den Anstieg zum Checkpoint Maria Eck auf 820 m. Ich hatte an diesem Anstieg einen kompletten Einbruch und musste mich enorm quälen, um es überhaupt hoch zu schaffen. Da war ich einfach mal komplett schwarz und bekam die Kurbel fast nicht mehr rum. Dazu ist der Weg an der Stelle, wie auf der gesamten Strecke sehr schlecht beschildert, was meine Laune zu diesem Zeitpunkt zusätzlich in den Keller zog.

„Schwarz gegangen und Regen in Sicht.“

Nach dem Checkpoint Maria Eck, wo ich mich mit Riegeln wieder zu Kräften brachte, ging es dankenswerterweise erst einmal recht lange Berg runter, wobei sich der Körper etwas erholen konnte. Das war auch gut so, denn es stand noch ein letzter nennenswerter Anstieg mit ca. 480 Höhenmeter auf dem Programm. Bis ins zweite Drittel des Anstiegs kamen wir zwar langsam aber dennoch gut voran. Dann brach Chris, von jetzt auf gleich völlig ein und lief komplett schwarz. Er quälte sich, ohne abzusteigen die letzten Meter hoch. Geschafft, endlich oben und nur noch ein winziger Teil zu fahren.
Auch auf der Stoißer Alm war es bitter Kalt und zu allem Überfluss fing es jetzt auch noch an zu regnen. Also komplette Ausrüstung anziehen und Abfahrt ins Tal. Halb erfroren hörte dann im Tal der Regen irgendwann wieder auf und die Temperatur wurde auch erträglich.

„Das Ende zieht sich.“

Die offiziellen Höhenmeter und Kilometer hatten wir jetzt eigentlich alle gesammelt. Doch unser letzter Checkpoint, die Kessel Alm war einfach nicht in Sicht. Nach jeder Kurve hofften wir endlich diese Alm zu sehen. Eine gefühlte Ewigkeit verging, doch dann endlich, die Alm lag vor uns und wir konnten den letzten Stempel setzen. Chris hatte seine Verpflegung aufgebraucht und fragte eine Dame, welche gerade aus der Hütte kam, ob er denn noch bitte eine Cola haben könne in seiner Not. Nicht gerade zuvorkommend erwiderte die Frau: „Nein wir haben geschlossen, es gibt nichts mehr.“ Mit dem langen Tag in den Knochen und ersichtlich völlig am Ende eine ziemlich bescheidene Aussage der Dame. Wir fuhren also ohne Getränke weiter und ich gab Chris mein letztes Gel. Jede noch so kleine Rampe wurde jetzt zur Qual.

„Komplett erschöpft ins Ziel.“

Nach einer weiteren dieser Rampen und der folgenden Abfahrt war es endlich so weit, Ruhpolding lag vor uns. Völlig erschöpft aber glücklich über diesen Erfolg, die Strecke in einem Tag bewältigt zu haben, mussten wir nur noch ins Hotel rollen lassen. Mit 172 Kilometern und 4629 Höhenmeter in einer Fahrzeit von 10h : 22min können wir sehr zufrieden sein. Es war eine neue, tolle, aber auch enorm anstrengende Erfahrung. Nie zuvor habe ich am Stück, so viel Kilometer, Höhenmeter und Stunden im Sattel gesessen.

„Resümee Chiemgau King“

Die Organisatoren sind mit vollem Herzblut bei der Sache. Die Strecke an sich ist für jeden befahrbar und auf der Hauptroute technisch nicht besonders anspruchsvoll. Wenn man die Trails abseits dieser Hauptroute mit einbaut, wird es für die meisten nicht möglich sein, die komplette Strecke in einem Tag zu fahren. Es ist eine Strecke, welche man unbedingt mit GPS fahren muss. Eine Beschilderung ist laut Angaben des Veranstalters in der Vorbereitung. Alles in allem kann ich aber jedem empfehlen den Chiemgau King zu fahren, egal ob mit „Bio-Bike“ oder E-Bike. Bis zu drei Tage hat man Zeit um sich die entsprechende Krone in Gold, Silber oder Bronze verdienen.

Instagram Account des Chiemgau King

 

 

Fortsetzung mit dem Stoneman Taurista folgt in Teil II