Die Turbulenzen des Lebens!

Hinweis: Dieser Beitrag kann Werbung für Dinge enthalten, welche mir zur Verfügung gestellt wurden.

Zwischen Depression und Kindheitstraum.

Das Leben ist voller Überraschungen und schreckt vor nichts zurück. Täglich im Hamsterrad unterwegs werden wir zu Maschinen geformt, welche einfach funktionieren sollen. Getrieben von Geld, Missgunst, Neid, Macht und Gier verlieren wir dabei die wichtigsten Dinge im Leben oftmals aus den Augen. Wer Schwäche zeigt, wird entlassen, ausgegrenzt oder als Schauspieler abgestempelt. Im Gegenzug dazu: Wer „funktioniert“ hat keine Zeit über wichtige Dinge nachzudenken und Fragen zu stellen. Ähnlich ist es mir in der Vergangenheit ergangen.

„Tumor, Kurzarbeit, Virus“

Mein Arbeitgeber hatte schon vor dem Bekanntwerden des Virus Kurzarbeit angemeldet, was für mich der Anfang einer langen Talfahrt war. Kurz darauf erhielt meine damalige Freundin die Diagnose Hirntumor. Dieser machte sich mitten in der Nacht durch einen epileptischen Krampfanfall bemerkbar. Was ich damals erleben musste und gesehen habe ist heute noch beängstigend für mich. Innerhalb von Sekunden könnte das Leben ohne eigenes Verschulden vorbei sein. Darüber ist man sich im alltäglichen Leben gar nicht bewusst – da wären wir wieder beim reinen Funktionieren. Ich bin sehr dankbar, dass die Sanitäter in dieser Nacht binnen 5 Minuten vor Ort waren und uns geholfen haben. Nach OP, Bestrahlung und endlosen physischen Therapien konnte der Tumor und die kurzzeitige postoperative halbseitige Lähmung – Gott sei Dank – besiegt werden. Im Frühjahr 2020 ergänzte noch ein weiterer Krankheitsfall in meinem engen Umfeld und gleichzeitig diese Pandemie meine schon überstrapazierten Nerven.

 „Warum machst du das?“

Zu diesem Zeitpunkt, im Frühjahr 2020, war ich völlig leer und ausgebrannt. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich so viele Rückschläge und Einschnitte erleben müssen, dass mir einfach alles zu viel wurde. In mir spielten sich Dinge ab, die man nur schwierig in Worte fassen kann. Alle Geschehnisse der jüngsten Vergangenheit waren lediglich der Auslöser für etwas, was viel tiefer saß. Mit dieser Erkenntnis wurde klar, dass sich schnell etwas ändern muss. Die erste Frage, welche mich beschäftigte war, warum ich eigentlich das mache, was ich mache, obwohl es mich seit sehr langer Zeit extrem belastet. Die Antwort war simpel und erschütternd zugleich: ein sicherer Job mit einem hohen Gehalt! Der tägliche Kampf mit Leistungsdruck, Neid, Missgunst, Respektlosigkeit etc. wurde einfach unterdrückt. Ein Fehler, den ich nun mit einer Depression schmerzhaft bezahlen musste.

„Nicht sichtbar wie ein Gips!“

Sich eine Depression einzugestehen und Hilfe in Anspruch zu nehmen ist zu Beginn alles andere als leicht gewesen. Gerade durch die eingangs erwähnten Faktoren wird in der Gesellschaft ein noch immer viel zu großes Tabu Thema daraus gemacht. Meiner Meinung nach liegt es nicht zuletzt auch daran, dass man diese Krankheit von außen nicht sehen kann. Bei einem gebrochenen Arm oder Bein hingegen sieht man durch den Gips- oder Schienenverband, dass offensichtlich etwas nicht stimmt. Ich kann jedem Betroffenen nur raten sich helfen zu lassen und offen mit der Situation umzugehen. Es geht hier um die eigene Gesundheit und die steht über allem. Dieses lernt man im Laufe der Zeit einer Behandlung sehr gut. Allen anderen Personen im Umfeld eines Betroffenen, egal ob Familie, Freunde oder Arbeitgeber, kann ich nur ans Herz legen: „Nehmt die Menschen ernst, spielt das Ganze nicht herunter und unterstützt die Erkrankten!“

 „Verzweiflung und viele Fragen!“

Für mich war es an der Zeit das zu finden, was mich erfüllt. Raus aus der Depression und wieder hinein in eine glückliche Zukunft. Aber: Was soll ich jetzt machen? Wie kann ich mich verändern? Wo kann ich das machen? Wie werde ich das umsetzten können? Viele Fragen bescherten mir schlaflose Nächte. Nach Monaten der puren Verzweiflung ein Lichtblick am Ende des Tunnels.

„Die Uhr wird auf null gestellt.“

Durch einen Zufall ergab sich eine Möglichkeit, von welcher ich schon als Kind geträumt habe. Die Entscheidung, diesen Schritt zu gehen und die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, stand für mich erstaunlich schnell fest. Frei nach dem Motto „Jetzt oder nie“ ging ich die Sache an. Die Zeit war gekommen die Uhr zurückzudrehen und noch einmal bei Null anzufangen. Einziger Haken an der Sache: Die Heimat verlassen und in 530 km Entfernung neu starten.

 „Wohnung und Arbeit vor Traumkulisse“

Als Kind habe ich immer davon geträumt in den Bergen zu leben. Bereits mit 3 Jahren bin ich das erste Mal in den Allgäuer Alpen gewesen. 34 Jahre später wird diese Gegend tatsächlich mein neues zu Hause sein. Der neue Wohnort Sonthofen liegt im Oberallgäu und ist die südlichste Stadt Deutschlands. Direkt vor dem Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen habe ich einen wunderbaren Wohn- und Arbeitsort gefunden.

„Neuer Lebensabschnitt beginnt.“

Nach langen Vorbereitungen und viel Aufwand war es Anfang dieses Jahres so weit, der Umzug konnte losgehen. Mit zwei bis unters Dach beladenen Autos und einem ebenso voll bepackten Anhänger fuhr ich zusammen mit meinem Bruder und einem Kumpel Richtung Süden. So ein beladener VW T4 mit 2 Tonnen Anhänger ist eine super Zugmaschine, aber es dauert bis man am Ziel ankommt. Bergige Autobahnen sind da nicht wirklich sehr willkommen. Gerade die Tanknadel hatte deutlichen Leistungsverlust und wollte nach nur 330 km neu justiert werden. Bei einem Tankvolumen von gut 70 Litern…naja eher so Semi. 🙂 Getreu dem Motto „In der Ruhe liegt die Kraft“ kam ich nach 7 Stunden in Sonthofen an. Die anderen beiden sind mit dem Touran gefahren und waren deutlich schneller am Ziel.
Der herrliche Sonnenschein im Allgäu machte nicht nur die lange Fahrt wett, er erleichterte auch das Ausladen vor Ort. Die Wohnung, bis unters Dach voll gestellt mit Kisten, glich einer Messiewohnung. Schrecklich, nicht zu wissen, wo man anfangen soll. Nach drei Tagen hatte ich endlich ein halbwegs übersichtliches Schlachtfeld geschaffen, von echter Ordnung aber weiterhin nichts zu sehen. Immer wieder umräumen und umstellen war tagelang meine Hauptbeschäftigung. Doch ein Ende war in Sicht und mittlerweile ist es fast gut. 🙂

„Ferienwohnung war gestern!“

Eigentlich beziehe ich immer eine Ferienwohnung oder Pension, wenn ich ins Allgäu fahre. Die Tatsache, dass ich jetzt die Koffer auspacken, aber nicht mehr einpacken musste, war zu Beginn etwas ungewohnt. Auch die Tatsache so weit weg von Familie und Freunden zu sein ist etwas komisch im ersten Moment. Auf der anderen Seite schaue ich jeden Morgen von meinem Balkon auf die hohen Gipfel der Alpen und bin fast täglich dort unterwegs. Eine Freiheit, die mit Geld nicht zu bezahlen ist. Berge geben mir Ruhe und Gelassenheit, allein durch Ihre Anwesenheit.

„Kneif mich bitte!“

Nicht zu fassen, total verrückt! Ich habe es getan! Ich lebe nun tatsächlich meinen Kindheitstraum. Es ist kaum in Worte zu fassen und macht mich überglücklich. Manchmal muss mich noch jemand kneifen, damit ich merke, dass es kein Traum mehr ist, sondern die Realität.

„Dankeschön“

Zum Schluss möchte ich mich bei allen bedanken, die mir in der schweren Zeit geholfen und mich in meinem Vorhaben unterstützt haben. Die vielen Gespräche über meine Probleme und Pläne sowie Eure unfassbar große Unterstützung haben mir sehr geholfen. Ihr seid alle jederzeit herzlich willkommen hier im schönen Allgäu.